Ratgeber · Bewerber

Vorqualifizierung: drei Fragen vor dem ersten Gespräch

Meruna RedaktionAktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Vor dem ersten Gespräch reichen im Handwerk drei Fragen: Gesellenbrief oder vergleichbarer Abschluss? Führerschein Klasse B, wenn die Stelle Fahren verlangt? Wohnort oder Postleitzahl für den Fahrweg? Alle drei hängen direkt an der Arbeit. Fragen nach Alter, Herkunft, Religion, Familienplanung oder Gesundheit gehören nicht dazu, sie sind nach dem AGG grundsätzlich unzulässig.

Warum genügen drei Fragen?

Vor dem ersten Anruf wollen Sie nur eines wissen: Lohnt sich das Gespräch? Dafür brauchen Sie keinen Lebenslauf und keinen Fragebogen. Im Handwerk entscheiden drei Punkte darüber, ob jemand die Stelle grundsätzlich machen kann: der Abschluss, der Führerschein und der Weg zur Arbeit.

Alles andere, also Erfahrung, Arbeitsweise, Gehaltsvorstellung und Starttermin, klären Sie besser im Gespräch. Jede weitere Frage im Formular ist eine Hürde mehr für den Bewerber. Warum eine kurze Bewerbung reicht, steht unter Bewerbung ohne Lebenslauf.

Welche drei Fragen sind das?

Nr.FrageAntwortmöglichkeitenWozu
1Hast du einen Gesellenbrief oder einen vergleichbaren Abschluss?Gesellenbrief · Meister · in Ausbildung · Erfahrung ohne Abschluss · Abschluss aus dem AuslandPasst die Qualifikation zur Stelle?
2Hast du einen Führerschein Klasse B?Ja · NeinNur wenn die Stelle Fahren verlangt
3Wo wohnst du?Postleitzahl oder OrtWie weit ist der Weg zu Ihnen und zu den Baustellen?

Die Fragen sind hier geduzt, wie in den Vorlagen auf meruna.de. Wenn Ihr Betrieb siezt, stellen Sie sie in der Sie-Form.

Wie stelle ich die Fragen?

  • Als Knöpfe, nicht als Freitext. Ein Tipp je Frage geht am Handy schneller als Tippen. Nur die Postleitzahl ist ein freies Feld.
  • Abschluss zuerst. Das ist die Frage, nach der Sie am ehesten sortieren.
  • Offen für andere Wege. Die Antwort "Erfahrung ohne Abschluss" oder "Abschluss aus dem Ausland" sortiert niemanden automatisch aus. Ob jemand passt, entscheiden Sie im Gespräch.
  • Vorher festlegen, was ein Muss ist. Schreiben Sie für jede Stelle auf, welche Antwort ein Ausschluss ist und welche nicht. Das hilft beim Sortieren und zeigt später, dass Sie nach festen Kriterien entschieden haben.
  • Führerschein nur, wenn nötig. Arbeitet ein Helfer nur in der Werkstatt, braucht es die Frage nicht.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes empfiehlt, anhand festgelegter, objektiver Kriterien zu dokumentieren, wen Sie zum Gespräch eingeladen haben. Drei feste Fragen sind genau so ein Kriterium.

Was darf ich nicht fragen?

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt vor Benachteiligung wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität. Nach § 6 AGG gelten auch Bewerber als Beschäftigte, das Gesetz gilt also schon vor der Einstellung.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes nennt als Beispiele für unzulässige Fragen im Bewerbungsverfahren Fragen nach Religion, Schwangerschaft und Familienplanung, Gesundheitszustand, Alter, Familienstand, sexueller Orientierung, Staatsangehörigkeit sowie Herkunft und Muttersprache. So formulieren Sie stattdessen:

StattBesser
Woher kommst du?Wo wohnst du? Wie weit ist dein Weg zu uns?
Ist Deutsch deine Muttersprache?Kannst du dich mit Kunden auf Deutsch verständigen? (nur wenn die Arbeit das verlangt)
Wie alt bist du?Seit wann arbeitest du in dem Beruf?
Hast du Kinder?Die Stelle hat Bereitschaft an [Zahl] Wochenenden im Monat. Passt das für dich?
Bist du gesund?Diese Frage lassen Sie weg.

Eine Ausnahme regelt § 8 AGG: Eine unterschiedliche Behandlung kann zulässig sein, wenn ein geschütztes Merkmal wegen der Art der Tätigkeit eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung ist. Für die drei Fragen aus diesem Artikel brauchen Sie diese Ausnahme nicht, weil keine davon ein geschütztes Merkmal betrifft. Fragen Sie im Zweifel nicht.

Was mache ich mit den Antworten?

Rufen Sie zuerst die an, bei denen alle drei Antworten passen. Am besten noch am selben Tag. Wer sich gerade beworben hat, erinnert sich an Ihre Stelle. Wie der erste Rückruf abläuft, steht unter Bewerber zurückrufen. Halten Sie kurz fest, warum Sie jemanden einladen oder absagen. Fragen zum Gehalt stellen Sie im Gespräch als Frage nach der Gehaltsvorstellung, mehr dazu unter Gehalt in der Stellenanzeige.

Wie fragt Meruna die drei Punkte ab?

Meruna ist Recruiting-Software für Handwerksbetriebe in SHK, Elektro, Kälte und Klima. Gesellenbrief, Führerschein und Wohnort fragt Ihre Stellenseite bei jeder Bewerbung ab. Jede Bewerbung über Ihre Stellenseite kommt sofort als Nachricht auf Ihr Handy, mit Gesellenbrief und Entfernung. So sehen Sie vor dem Anruf, wer sich bewirbt. Mehr dazu unter Funktionen: Vorqualifizierung.

Stelle mit Vorqualifizierung anlegen

Quellen

  1. 01Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Zugang zum ArbeitslebenStand: Oktober 2026
  2. 02Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Fragen und Antworten zu Tipps für ArbeitgeberStand: Oktober 2026
  3. 03Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), § 1 Ziel des GesetzesStand: Oktober 2026
  4. 04Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), § 6 Persönlicher AnwendungsbereichStand: Oktober 2026
  5. 05Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), § 8 Zulässige unterschiedliche Behandlung wegen beruflicher AnforderungenStand: Oktober 2026
  6. 06Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), § 15 Entschädigung und SchadensersatzStand: Oktober 2026

Weiterlesen

Das könnte Sie auch interessieren

Lexikon

Vorqualifizierung

Was Vorqualifizierung im Recruiting bedeutet, welche Fragen im Handwerk zählen und wie sie Ihnen vor dem ersten Anruf Zeit spart.

Begriff lesen

Meruna

Vorqualifizierung

Gesellenbrief, Führerschein und Wohnort vor dem ersten Gespräch.

Ansehen
[ Fragen ]

Häufige Fragen

Vorqualifizierung

Jetzt starten

Welche Stelle möchten Sie besetzen?

Sechs Fragen antippen, dann sehen Sie Ihre fertige Stellenseite. Sie melden sich kostenlos an.

Gewerk

14 Tage komplett kostenlos

Kostenloser Kundensupport, Mo bis Fr, 8 bis 18 Uhr